Römerbrunnen mit Jupitersäule im Tagebau

Wir hatten die einmalige Möglichkeit, eine archäologische Sensation in Form eines römischen Brunnens, der zu einer Villa rustica gehörte und bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts genutzt wurde, im Tagebau zu besichtigen. Allerdings war er zu der Zeit noch nicht komplett freigelegt, so dass wir leider keine Fotos von der wunderbaren Jupitersäule machen konnten, die sich noch im Sediment des römischen Brunnens befand.
 
An einem verregneten Nachmittag machten wir uns mit einer kleinen Gruppe Manheimern auf den Weg zum Tagebau, wo bereits vor unserem Besuch erste Steine des Brunnens freigelegt wurden. Nach unserem Besuch legten die Archäologen die Jupitersäule sowie weitere Funde frei.  
 
Waren es zunächst nur schwere Steinquader des Brunnens, die freigelegt wurden, entdeckte man später in der Verfüllung des Brunnens alle wesentlichen Fragmente der Jupitersäule, was wohl eher selten der Fall ist. 
 
Begleitet wurde unsere kleine Expedition von dem Ausgrabungsleiter Dr. Grünewald, der dazu schrieb:

Der Brunnen gehörte zu einer Villa rustica auf Kerpen-Manheimer Gebiet (HA 162). Die steinerne Fassung des Brunnens verrät einen hohen baulichen und logistischen Aufwand. Schließlich mussten die viele Tonnen wiegenden Sandsteine über etliche Kilometer aus der Nordeifel bzw. Nideggen zur Villa transportiert werden. Das konnte sich nur ein wohlhabender Gutsherr leisten. Genutzt wurde der Brunnen bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts, wie uns Keramikscherben verraten.

Unter den zahlreichen Funden in der Verfüllung des Brunnens sind die Fragmente einer Jupitersäule am Bedeutendsten. Wie sonst nur selten, sind alle wesentlichen Fragmente der Säule vorhanden. Es handelt sich (von oben nach unten) um den Thron des Jupiters, zwei Fragmente eines Kapitels, mehrere (Schuppen-)Säulenfragmente mit einer Basis, einen Zwischensockel und einen Sockel. Hervorhebenswert sind im Besonderen die figürlichen Reliefs. Neben einem Jupiter (?) auf dem Zwischensockel sind dies Juno, Minerva und wahrscheinlich Nemesis Diana auf einem Säulenfragment. Nemesis wird äußerst selten im Rheinland verehrt. In der Kombination der verschiedenen Gottheiten und Erhaltung ist die Jupitersäule daher einmalig. Ich gehe von einer Höhe von ungefähr 5 Metern aus, genauere Daten sind nach eingehenderer Forschung zu erwarten.
 
Alle wesentlichen Bestandteile der Säule gelangten in den Brunnen: Daher stand sie wahrscheinlich bis in das 5. Jh. aufrecht neben diesem im Hofgelände. Während zahlreiche Jupitersäulen im 3. und 4. Jh. in Brunnen gelangten, ist dies für das 5. Jh. einmalig. Zudem sind Münzen und Neubauten des 5. Jahrhundert in römischen Heiligtümern im Rheinland weitgehend unbekannt. Wir gewinnen mit der Jupitersäule daher einen hoch in den damaligen Götterhimmel reichenden Beleg für die bis in diese Zeit währende pagane Verehrung noch lange nachdem in Köln und Trier bereits Kirchen errichtet worden waren.
 
Zu den weiteren Funden gehören Reste eines Seils, eines Lederschuhs, der hölzernen Brunneneinfassung, eines Bronzesiebs und vieles andere mehr.
 
Die Fotos, die wir zum Zeitpunkt der Besichtigung machen konnten, findet ihr wie immer hier in unserem Album.
 
Ein ergänzender Bericht dazu mit weiteren Fotos ist hier auf der Seite des WDR zu finden.
 

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